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Briefleserin in Blau

Gedichte zu Vermeer. Mit einem Vorwort von Bernhard Maaz

Das weltberühmte Gemälde »Briefleserin in Blau« des niederländischen Malers Johannes Vermeer (1632–1675) wird im Sommer 2018 in der Alten Pinakothek, München zu Gast sein. Aus diesem Anlass erscheint Ludwig Steinherrs Gedichtband »Briefleserin in Blau«, das eine Auswahl an Vermeer-Gedichten versammelt. Steinherrs Werk ist wie kaum ein anderes der Gegenwartslyrik von Vermeer inspiriert. Der Band „Briefleserin in Blau“ spannt einen Licht-Bogen von der Malerei zur Poesie – und über Steinherrs Schreiben aus drei Jahrzehnten.

Vermeer

Es gibt das Licht
damit es die Dinge geben kann
Es gibt die Dinge damit es
das Licht geben kann

Die Schwangere liest den Brief ohne Worte
Sie liest das Licht und kommt
an kein Ende
Jedes Land auf der gilbenden Karte
ist eben erst entdeckt und sucht
seine Farbe

Die Perlen blicken dich an wie Augen
Ein rotes Knäuel Lichtgewirr
rutscht aus dem Klöppelkissen
Wie groß ist die Arbeit das Licht
in das Licht zu verknoten

Die Hand ruht aus am halb
geöffneten Fenster
Das Licht ist von innen so stark
wie von außen
Wir lernen die tonlose Musik zu hören

Das Licht geschieht geschieht geschieht
Gesichter entstehen für den Augenblick
Das Licht verlangt nicht daß sie
die Finsternis begreifen

Gedichte zum holländischen Barock-Maler Vermeer

ISBN: 978-3-96233-062-0 Kategorie:

Beschreibung

Das weltberühmte Gemälde »Briefleserin in Blau« des niederländischen Malers Johannes Vermeer (1632–1675) wird im Sommer 2018 in der Alten Pinakothek, München zu Gast sein. Aus diesem Anlass erscheint Ludwig Steinherrs Gedichtband »Briefleserin in Blau«, das eine Auswahl an Vermeer-Gedichten versammelt. Steinherrs Werk ist wie kaum ein anderes der Gegenwartslyrik von Vermeer inspiriert. Der Band „Briefleserin in Blau“ spannt einen Licht-Bogen von der Malerei zur Poesie – und über Steinherrs Schreiben aus drei Jahrzehnten.

Vermeer

Es gibt das Licht
damit es die Dinge geben kann
Es gibt die Dinge damit es
das Licht geben kann

Die Schwangere liest den Brief ohne Worte
Sie liest das Licht und kommt
an kein Ende
Jedes Land auf der gilbenden Karte
ist eben erst entdeckt und sucht
seine Farbe

Die Perlen blicken dich an wie Augen
Ein rotes Knäuel Lichtgewirr
rutscht aus dem Klöppelkissen
Wie groß ist die Arbeit das Licht
in das Licht zu verknoten

Die Hand ruht aus am halb
geöffneten Fenster
Das Licht ist von innen so stark
wie von außen
Wir lernen die tonlose Musik zu hören

Das Licht geschieht geschieht geschieht
Gesichter entstehen für den Augenblick
Das Licht verlangt nicht daß sie
die Finsternis begreifen

Produktdetails

  • Einband : Hardcover
  • Seiten : 40

Über den Autor

Steinherr, Ludwig

Ludwig Steinherr, geboren 1962 in München, studierte Philosophie und promovierte über Hegel und Quine. Er lebt als freier Schriftsteller in München. Für seine bisher fünfzehn Gedichtbände erhielt Steinherr mehrere Auszeichnungen, so den Leonce-und-Lena-Förderpreis, den Evangelischen Buchpreis und den Hermann-Hesse-Förderpreis. Seit 2003 ist er Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Seine Gedichte wurden vielfach übersetzt.
Zuletzt erschien von ihm in der Lyrikedition 2000 »Medusen« (2018) sowie »Briefleserin in Blau« (2018) und in England der zweisprachige Auswahlband »Before the Invention of Paradise« (Arc Publications, 2010).

In der Lyrikedition 2000 von Ludwig Steinherr außerdem:
»Fresko, vielfach übermalt« (2002), »Hinter den Worten die Brandung« (2003), »Musikstunde bei Vermeer« (2004), »Die Hand im Feuer« (2005), »Von Stirn zu Gestirn« (2007), »Kometenjagd« (2009), »Ganz Ohr« (2012), »Das Mädchen Der Maler Ich. Ausgewählte Gedichte (1997–2009)« (2012), »Flüstergalerie« (2013), »All Ears« Translated by Paul-Henri Campbell (2013), »Nachtgeschichte für die Teetasse« (2014), »Elefant mit Obelisk« (2015), »Alpenüberquerung« (2016) sowie »Lichtgesang. Light song« Translated by Paul-Henri Campbell (2017).

Weitere Informationen über Ludwig Steinherr unter:
www.ludwigsteinherr.com